AWO-Mitarbeiterin ist Bremer Frau des Jahres 2026
Binta Bah für Engagement geehrt
Binta Bah ist Bremer Frau des Jahres 2026. Die Kauffrau für Büromanagement arbeitet seit 2022 im Frauenhaus der AWO Bremen. Zudem engagiert sie sich ehrenamtlich: In ihrem Verein „Lundu e.V.“ setzt sie sich gegen weibliche Genitalverstümmelung und Zwangsheirat ein. Für dieses Engagement wird sie nun geehrt.
Binta Bah freut sich über die Ehrung. Seit mehr als 20 Jahren wählt und ehrt der Landesfrauenrat Bremen die Frau des Jahres, die im Rathaus feierlich gewürdigt wird. „Die Aufmerksamkeit ist toll“, sagt die 36-Jährige, „denn wir wollen in unserem Verein lauter werden und können auch noch mehr Unterstützung gebrauchen.“ Binta Bah ist erste Vorsitzende in dem Verein „Lundu e.V.“ Vor fünf Jahren hat sie gemeinsam mit ein paar Mitstreiter*innen den Verein gegründet, um auf das Thema weibliche Genitalverstümmelung („Female Genital Mutilation“, kurz „FGM“) aufmerksam zu machen, Aufklärung zu leisten und Betroffenen zu helfen.
Binta Bah ist 2008, im Alter von 15 Jahren, von Gambia nach Deutschland geflohen. Sie machte ihren Realschulabschluss, erfuhr Unterstützung durch eine Pflegefamilie und eröffnete später ein afrikanisches Restaurant. „Die Frauen blieben hier nach dem Essen oft sitzen und wollten reden“, erzählt Binta. „Darüber, was ihnen passiert ist, über die Beschneidung, wo es Unterstützung gibt oder weshalb sie nicht die Freiheit haben, selber zu entscheiden, wen sie heiraten.“ Das Thema sei auch in Deutschland aktuell, so Binta. „Manchmal werden Mädchen in den Ferien in die Heimat gebracht und dort beschnitten. Wenn sie wieder hier sind, wird ihnen gesagt, dass sie nicht darüber reden dürfen.“ In Deutschland, auch in Gambia, steht die Prozedur unter Strafe. „Trotzdem wird es häufig gemacht, es ist tief verwurzelt in einigen Gesellschaften und es betrifft sehr viele Mädchen“, weiß die engagierte Frau. Die körperlichen und psychischen Folgen sind oft fatal.
Immer am Nachmittag nach ihrer Arbeit im Frauenhaus berät Binta in den Räumen des Vereins zwei bis drei Stunden betroffene Frauen. Auch Präventionsprojekte in Gambia werden organisiert sowie Veranstaltungsreihen oder Feste zum interkulturellen Austausch. Durch ihre Arbeit im Frauenhaus habe sie viel Motivation erfahren, sagt die 36-Jährige. „Die solidarische Arbeit für Frauen, die Gewalt erfahren haben, hat mich gestärkt und ich habe dadurch viel gelernt“, betont sie.
Im Verein „Lundu“ - ein Name, der an ihre Großmutter erinnert, eine kämpferische Frau und Aktivistin - stehen nun die Vorbereitungen für ein Kulturfest der Frauen an (30. Mai / mehr Infos: www.lundu-ev.de). Interessierte sind herzlich willkommen!